Ein großflächiges Drohnen-Lagebild für Mecklenburg-Vorpommern
Entlang der ganzen Ostseeküste und um ausgewählte Einrichtungen entstehen passive Sensoren. Ihre Meldungen laufen zu einem einzigen Lagebild zusammen, das allen Sicherheitsorganen des Landes in Echtzeit zur Verfügung steht.
- Laufzeit
- 2026 – 2028
- Geographischer Bereich
- Land M-V
- Sensorik
- Passiv
- Lagebild
- In Echtzeit
Mecklenburg-Vorpommern hat eine lange Ostseeküste. Häfen, Energieanlagen, Industriestandorte und die Küsteninfrastruktur sind damit besonders gefährdet durch Drohnen, die unter anderem von Schiffen aus zu Ausspähungs- oder Sabotagezwecken eingesetzt werden. Ohne eine großflächig funktionsfähige Erfassung können Drohnen unbemerkt auch bis weit ins Landesinnere fliegen.
Bisher erfolgt die Meldung von Drohnensichtungen nur punktuell und zeitlich verzögert. Andere technische Systeme sichern nur einzelne Objekte wie Flughäfen oder militärische Liegenschaften ab. Um die leistungsfähige Infrastruktur im Land vor drohnengesteuerten Spionage- und Sabotageaktivitäten effektiv zu schützen und die Reaktionsfähigkeit auf neue Bedrohungsszenarien zu steigern, sind das Land und seine Sicherheitsorgane auf ein großflächiges Lagebild angewiesen.
Beide Zustände zeigen denselben Flug: eine Drohne kommt von See und fliegt ins Landesinnere. Der Unterschied liegt darin, was davon bei den Sicherheitsorganen ankommt — bisher einzelne Meldungen rund um einzeln gesicherte Objekte, künftig ein durchgehender Verlauf.


Erstmals besteht die technische Möglichkeit, die Erfassung in die Fläche zu bringen: Passive Sensoren entlang der Küste und um ausgesuchte Einrichtungen decken die Küstengewässer und einen wesentlichen Teil der Landesfläche ab. Ihre Meldungen laufen zentral zusammen, statt einzeln gemeldet zu werden. Aus einzelnen Sichtungen wird ein nachvollziehbarer Flugweg. Das ist die Grundlage für eine frühzeitige Lageeinschätzung.
Die Landesregierung hat diesen Bedarf erkannt und bringt mit eigenen, im Land vorhandenen Kompetenzen ein richtungsweisendes Projekt auf den Weg: Zum ersten Mal in Deutschland und Europa werden entlang der ganzen Küste und um ausgesuchte Einrichtungen leistungsfähige Sensoren aufgestellt, um funkgesteuerte Angriffe durch Drohnen großflächig ausfindig zu machen. Dieses Drohnen-Lagebild wird den zivilen Sicherheitsbehörden in Echtzeit zur Verfügung gestellt.
Damit ist Mecklenburg-Vorpommern Pionier in der weiträumigen verteilten Drohnenerkennung sowie durch die Vernetzung aller relevanten Sicherheitsorgane. Im Projekt wird die Überführung der einsatzbereiten Technik in die Entscheidungspraxis der beteiligten Sicherheitsbehörden durch das Institut für sichere mobile Kommunikation (ISMK) an der Hochschule Stralsund erforscht und weiterentwickelt.
Das Projekt ist zunächst auf zwei Jahre angelegt.
Küsten-, Energie-, Hafen- und Industrieanlagen des Landes sollen besser gegen drohnengesteuerte Spionage und Sabotage geschützt werden. Die großflächige Erkennung und Nachverfolgung von Drohnenbewegungen ist dafür der erste Schritt.
Das großflächige Drohnen-Lagebild erfasst einen wesentlichen Teil der Landesfläche und verschafft den Sicherheitsorganen damit eine völlig neue Grundlage für die frühzeitige strategische Lageeinschätzung und die Bewertung von Maßnahmen.
Alle involvierten Sicherheitsbehörden greifen auf dasselbe Lagebild zu. Das optimiert die Zusammenarbeit und die Reaktionsfähigkeit der Bedarfsträger bei der Gefahrenabwehr.
Die Optimierung der Reaktionsfähigkeit wird wissenschaftlich begleitet. Es wird untersucht, wie die Erkenntnisse aus einem großflächigen Drohnen-Lagebild am effizientesten in die Entscheidungs- und Einsatzpraxis der Sicherheitsorgane einfließen und sie verbessern können.
Die Sensoren sind passive, software-definierte Funkempfänger. Passiv bedeutet, dass sie zur Detektion kein eigenes Signal aussenden. Sie empfangen ausschließlich und verarbeiten die relevanten Signale. Erfasst werden die für unbemannte Luftfahrzeuge relevanten Frequenzbereiche. Das System kann sich an neue Frequenzbereiche anpassen.
Die Einzelmeldungen laufen zentral zusammen und werden den Bedarfsträgern im Land als grafisch aufbereitetes Lagebild bereitgestellt. Der Zugriff auf das Lagebild erfolgt über abgesicherte, verschlüsselte Verbindungen mit rollenbasierten Sichten für jede zugreifende Sicherheitsbehörde.
Die Drohne sendet
Eine Drohne im Flug ist funktechnisch nicht still: Steuerung, Telemetrie und Bildübertragung laufen über Funk. Diese Signale sind der Ansatzpunkt der Detektion. Deshalb greift sie großflächig und nicht nur in Sichtweite eines einzelnen Sensors.
Der passive, software-definierte Funkempfänger
Der Sensor hört die für unbemannte Luftfahrzeuge relevanten Frequenzbereiche mit. Zur Detektion sendet er kein eigenes Signal aus, er empfängt ausschließlich und verwirft dabei nicht-relevante Frequenzbereiche. Diese preiswerten Sensoren lassen sich großflächig aufstellen und bilden die Voraussetzung für die Flächenabdeckung.
Mehrere Sensoren, ein Ort
Empfangen mehrere Sensoren dasselbe Signal, lässt sich aus den Unterschieden in den Ankunftszeiten (TDoA) auf den Ort der Drohne schließen. Aus der Feststellung, dass etwas fliegt, wird so die Angabe, wo es fliegt und über die Zeit eine Spur.
Was eine Drohne in fremden Signalen hinterlässt
Darüber hinaus untersucht das ISMK die Effekte, die eine Drohne in Funksignalen hinterlässt, die ohnehin in der Luft liegen (Passiv-Radar). Das Prinzip bleibt rein empfangend: gesendet wird nichts, ausgewertet wird, was vorhandene Sender an der Drohne zurückwerfen. Das ist Gegenstand der begleitenden Forschung des Instituts.
Zentrale Zusammenführung
Alle Einzelmeldungen laufen zentral zusammen. Erst hier entsteht aus vielen Einzelbeobachtungen ein zusammenhängendes Bild der Drohnenbewegungen im Land und damit die Möglichkeit, einen Flug nachzuverfolgen statt ihn nur zu bemerken. Das Ergebnis wird grafisch aufbereitet und den Bedarfsträgern über abgesicherte, verschlüsselte Verbindungen bereitgestellt, mit einer eigenen, rollenbasierten Sicht für jede zugreifende Sicherheitsbehörde.

Ein aktives Verfahren sendet ein eigenes Signal aus und wertet aus, was zurückkommt. Es ist damit selbst am Funk erkennbar.

Der Sensor empfängt ausschließlich. Er sendet zur Detektion kein eigenes Signal aus, sondern wertet den Drohnen zuordenbare Signale aus.
Ein Sender bleibt über die ganze Zeit auf derselben Frequenz und zieht eine durchgehende Linie.
Die Sendefrequenz wechselt fortlaufend innerhalb eines Bandes. Übrig bleiben verstreute kurze Striche statt einer Linie.
Eine Übertragung belegt einen ganzen Frequenzblock — und setzt zu einem erkennbaren Zeitpunkt ein.
Bewegt sich ein Sender, verschiebt sich seine Frequenz geringfügig: die Spur läuft schräg statt senkrecht.
Ein großflächiges Drohnen-Lagebild gibt es in diesem Zuschnitt in Deutschland und Europa bisher nicht. Möglich wird die hohe Flächenabdeckung durch passive Sensoren, die so preiswert sind, dass sie großflächig eingesetzt werden können.
Alle relevanten Sicherheitsorgane des Landes arbeiten mit demselben Lagebild. Grundlage dafür sind die bestehenden und gewachsenen Kooperationsstrukturen im Land.
Die operative Zuständigkeit für Detektion, Bewertung und Abwehr von Drohnen ist meist auf eine Vielzahl von Akteuren verteilt. In Mecklenburg-Vorpommern hat der Gesetzgeber Anfang 2026 mit der Anpassung des Sicherheits- und Ordnungsgesetzes (SOG M-V) die Rechtsgrundlage geschaffen, diese Lücke zu schließen: den Einsatz von Sensoren zur Verarbeitung von Signalen, die Überwachung des Luftraums innerhalb der Landesgrenzen zum Zweck der Detektion unbemannter Fahrzeugsysteme sowie die Unterstützung durch wissenschaftliche Einrichtungen.
Entwicklung und Fertigung der Sensorik erfolgen vollständig in Deutschland. Erfassung, Übertragung und Auswertung bleiben im Land. Im Projekt entsteht daraus die flächendeckende Zusammenführung zu einem gemeinsamen Lagebild.
Ministerium für Inneres und Bau Mecklenburg-Vorpommern
Das Ministerium hat das Projekt initiiert und unterstützt es sowohl personell wie finanziell. Es stellt die Einbindung aller Bedarfsträger der Sicherheitsbehörden des Landes sicher und richtet die Projektgruppe ein, die das Vorhaben begleitet. Die Vereinbarung zur Zusammenarbeit wurde zwischen dem Innenministerium und dem ISMK geschlossen.
Institut für sichere mobile Kommunikation (ISMK)
Auf dieser Grundlage wird das Projekt vom ISMK aus Stralsund durchgeführt. Das Institut ist eine 2023 gegründete gemeinnützige Forschungseinrichtung an der Hochschule Stralsund. Es vereint zentrale Kompetenzen in der Drohnenabwehr und ist in diesem Bereich ein zentraler Wissensträger im Land Mecklenburg-Vorpommern.
Gesellschaft für Sichere Mobile Kommunikation mbH (GSMK)
Die Sensorik für das großflächige Drohnen-Lagebild kommt von der GSMK, einem ITK-Sicherheitsunternehmen mit Sitz in Berlin. Das Unternehmen entwickelt seit über zwei Jahrzehnten Ende-zu-Ende-verschlüsselte Kommunikationssysteme sowie Lösungen zur Abwehr funkgesteuerter Angriffe auf kritische Infrastruktur. Entwicklung und Produktion finden vollständig in Deutschland statt.
Involvierte Sicherheitsbehörden
Sie erhalten Zugriff auf das großflächige Drohnen-Lagebild und nutzen es im Rahmen des Projekts für die frühzeitige Erkennung und Nachverfolgung von Drohnenbewegungen. Sie sind Teil der Projektgruppe, die vom Innenministerium zur Begleitung des Projekts eingerichtet wird.
Übertragbarkeit
Das Projekt nutzt die regional sowie national vorhandenen Fähigkeiten zur Kooperation der Sicherheitsbehörden für den Schutz kritischer Infrastruktur. Es kann somit zum Modell für alle Küstenländer und ganz Deutschland werden.
Presseanfragen zum Projekt richten Sie bitte an die Pressestelle des ISMK.
presse@ismk-stralsund.de