Großflächiges Drohnen-Lagebild für Mecklenburg-Vorpommern
Das Land baut erstmals in Deutschland und Europa ein großflächiges Drohnen-Lagebild auf. Das ISMK erforscht die Überführung der Technik in die Einsatzpraxis der Sicherheitsorgane.

Mecklenburg-Vorpommern hat eine lange Ostseeküste. Häfen, Energieanlagen, Industriestandorte und die Küsteninfrastruktur sind damit besonders gefährdet durch Drohnen, die unter anderem von Schiffen aus zu Ausspähungs- oder Sabotagezwecken eingesetzt werden. Ohne eine großflächig funktionsfähige Erfassung können Drohnen unbemerkt auch bis weit ins Landesinnere fliegen. Bisher erfolgt die Meldung von Drohnensichtungen nur punktuell und zeitlich verzögert; andere technische Systeme sichern lediglich einzelne Objekte wie Flughäfen oder militärische Liegenschaften ab.
Die Landesregierung bringt deshalb ein Projekt auf den Weg, das es in diesem Zuschnitt in Deutschland und Europa bisher nicht gibt: Entlang der ganzen Küste und um ausgesuchte Einrichtungen werden erprobte, passive Sensoren aufgestellt, um funkgesteuerte Angriffe durch Drohnen großflächig ausfindig zu machen. Die Einzelmeldungen laufen zentral zusammen und werden als grafisch aufbereitetes Lagebild allen involvierten Sicherheitsbehörden bereitgestellt, in Echtzeit und über abgesicherte, verschlüsselte Verbindungen mit rollenbasierten Sichten.
Das Projekt wird vom Ministerium für Inneres und Bau Mecklenburg-Vorpommern initiiert und gefördert und vom Institut für sichere mobile Kommunikation (ISMK) an der Hochschule Stralsund durchgeführt. Untersucht wird, wie die Erkenntnisse aus einem großflächigen Drohnen-Lagebild am effizientesten in die Entscheidungs- und Einsatzpraxis der Sicherheitsorgane einfließen und deren Reaktionsfähigkeit steigern können. Die Sensorik kommt von der Gesellschaft für Sichere Mobile Kommunikation mbH (GSMK) aus Berlin. Entwicklung und Produktion finden vollständig in Deutschland statt.
Die Rechtsgrundlage dafür besteht bereits: Mit der Anpassung des Sicherheits- und Ordnungsgesetzes (SOG M-V) Anfang 2026 hat der Gesetzgeber den Einsatz von Sensoren zur Verarbeitung von Signalen, die Überwachung des Luftraums innerhalb der Landesgrenzen zum Zweck der Detektion unbemannter Fahrzeugsysteme sowie die Unterstützung durch wissenschaftliche Einrichtungen ermöglicht. Die involvierten Sicherheitsbehörden erhalten Zugriff auf das Lagebild und sind Teil der Projektgruppe, die das Innenministerium zur Begleitung einrichtet.
Nicht Gegenstand des Projekts ist die Abwehr von Drohnen. Sie liegt allein bei den zuständigen Sicherheitsorganen. Auch die Sensortechnik selbst ist kein Forschungsgegenstand: Sie ist erprobt und einsatzbereit, sodass das Projekt mit der Installation des ersten Sensors starten kann. Das Vorhaben ist zunächst auf zwei Jahre angelegt, danach wird über den weiteren Ausbau entschieden. Weitere Einzelheiten, die Ziele und die Funktionsweise der Detektion sind auf der Projektseite zum Drohnenlagebild M-V dargestellt.